Mittwoch, 11. September 2013

Brustkrebs: Meine Geschichte



Ja Ihr Lieben, ich bin 33 und hatte Brustkrebs. Wahnsinn. So richtig kann ich das immer noch nicht glauben, wenn ich das in Verbindung mit mir sage... Das Foto, dass Ihr oben seht stammt von dem Shooting mit Romy (auf Youtube LaCaraPiccola). Es gibt ein Video auf meinem Kanal whatrocksmyworld schaut Euch das auch an. Ich erzähle Euch wie alles passierte...

Zwei Tage vor Weihnachten 2012 lag ich gemütlich auf der Couch mit meinem Freund. Ich wollte ihm was erzählen und hab mich zu ihm rüber gedreht. Dabei hat meine Hand meine Brust berührt und ich habe einen festen Knubbel unter der Haut gespürt. Erschrocken habe ich mich aufgesetzt und nochmal hingefühlt. Etwas festes... So groß in etwa wie ein Schokobon befand sich direkt unter meiner Haut. Sofort hatte ich Angst. Habe aber versucht, immer positiv zu bleiben. Zu einem fremden Arzt ins Krankenhaus wollte ich nicht. Ich wollte zu meiner Frauenärztin und die war am 27ten wieder in der Praxis. Bis dahin genug Zeit um sich verrückt zu machen. Und im Internet nachzulesen. Das habe ich dann aber schleunigst gelassen, denn da wurde mir noch banger. Ich war einen Monat vorher noch bei der Vorsorge bei der Ärztin! Da siehst Du, wie schnell die Biester wachsen können. Soooo gefährlich!

Bitte tastet Euch selbst regelmäßig ab! Nur wer seinen Körper kennt, kann Veränderungen wahrnehmen. Die meisten Tumore werden nicht bei der Vorsorge, sondern von den Frauen selbst entdeckt! Und Zeit ist das Wichtigste im Kampf gegen den Krebs. Früherkennung ist das A und O.

Meine Frauenärztin vermute etwas ganz harmloses hinter dem Knubbel (Fibroadenome haben viele Frauen). Aber es gab eine Stelle an dem Teil, die ihr im Ultraschall missfiel. Sie wollte Gewissheit und schickte mich in ein Brustzentrum zur Mammografie. Dort ging ich am 2.1. sofort hin. Aber sehr viel ruhiger, denn ich bin ein positiver Mensch und ich versuchte das Beste zu hoffen. Mein Freund war so süß. Ich war froh, dass er dabei war. Auch diese Ärztin fand eine kleine Stelle des Knubbels auffällig und wollte zur Sicherheit eine Probe nehmen. Damit war ich natürlich einverstanden. Eine Woche später bekam ich zusammen mit einer meiner besten Freundinnen das Ergebnis. Sie sagte mir hinterher mal, es sei erschreckend gewesen wie lange ich dort gefasst gesessen hätte. Es stimmt. Ich hatte mich innerlich auf das Schlimmste vorbereitet. Ich wollte von dem Überbringer nur noch wissen, wie ich den Scheiss wieder los werde. Dass er sagte, dass das einer der fiesesten Tumore sei, die man haben kann und dass ich um eine Chemo nicht rum komme. Damit hatte ich nicht gerechnet... Aber wie hätte ich mir das auch vorstellen sollen? …Nicki und ich weinten zusammen. Und lachten, als Ihr einfiel, dass der Vater ihres Exfreundes ein Perrückengeschäft betreibt.Wir würden die tollste Frisur für mich raus suchen... Den restlichen Tag war ich wie benommen... Es war so unwahr... Ich hoffte, dass das unwahr war. Dass ich aus diesem wirklich bösen Traum erwachte... Nicki verbrachte den ganzen Tag mit mir. Ich bin echt so dankbar. Meine besten Freundinnen waren sofort da. Sofort viel mir ein „in guten, wie in schlechten Zeiten. In der Not siehste wer wirklich eine Freundin ist. Im Laufe der Zeit haben sich (wirklich wenige!) gute Freunde verabschiedet. Aber das nehme ich ihnen nicht übel, es ist einfach für alle Parteien eine wahnsinnige Belastung. Ich kann mich jetzt aber hinterher, nicht mit denjenigen an einen Tisch setzen und gemütlich Kaffeetrinken, als sei nichts gewesen... Das muss man auch verstehen... Geschlagene zwei Wochen dachte ich WIRKLICH ich müsse sterben... Das war das Allerschlimmste. Das kann ich echt Jedem empfehlen für den weiteren Weg. Lebt jeden Tag, als sei es Euer Letzter. So erfüllt man sich aufjedenfall Wünsche, pflegt Träume und Hoffnungen. Das Leben ist so kostbar und so schnell kann es vorbei sein.

Die ersten Wochen war ich nur am Rennen, zig Arzttermine und Untersuchungen. Das hat alles unglaublich Kraft gekostet, denn da wird auch abgeklärt, ob in den Organen oder im Hirn vielleicht schon Metastasen sind. Man hat immer Angst bis die Ergebnisse da sind. Die Chemo selber war nicht schlimm für mich. Die Chemoschwestern waren unglaublich toll. Sowas Liebes! Ich habe danach immer vieeeeeeeeeel geschlafen. Und das ist doch das Beste. Der Tag war absolut gelaufen. Ich habe immer ca. eine Woche gebraucht, um mich von der Chemo zu erholen. Zwei Wochen nach der Ersten gingen mir die Haare aus. Ich hatte lange Haare, die ich mir vor der Chemo kürzer hab schneiden lassen. Der Verlust der Haare war für mich persönlich nicht so schlimm, nachdem ich eine Perrückenalternative gefunden hatte (WeilDuSchönBist übernahm meine Kasse analog). Damit war mir klar, dass ich mich nicht Zuhause verkriechen muss, sondern eben auch weiter unter Leute kann. Das einzige Problem war, dass ich unglaublich Angst hatte, wie sich das Alles auf meine Beziehung auswirken wird und wie mein Freund mit all dem klar kommt. In all der Zeit wird man psychologisch betreut, was mir sehr geholfen hat. Ich fand das war immer, wie eine Freundin treffen und tiefergehend „Erleichterung“ erfahren... Nachdem ich in Köln erfahren hatte, dass ich das gleiche Gen, wie Angelina Jolie in mir trage (wer hätte gedacht, dass wir die gleichen Gene haben?!) habe ich mich dazu entschlossen nach den Chemos das Brustgewebe komplett raus nehmen zu lassen, um das Risiko einer Neuerkrankung sehr zu senken. Ich wollte diesen radikalen Schritt, weil ich in Zukunft nicht diese ständige Angst spüren wollte... Es wird sowieso nie wieder sein wie es mal war. Jede Vorsorgeuntersuchung wird heftig werden... Aber ich denke, mit der Zeit wird die Angst geringer.
Alles verändert einen. Man muss so sehr aufpassen, dass man sich erhält. Anfangs habe ich das sehr oft gehört, ich solle auf mich aufpassen, dass die Krankheit mich nicht zu sehr ändert. Rückblickend glaube ich, dass die Personen Angst hatten, ich würde mein sonniges Gemüt verlieren. Ich glaube zurecht. Nach der dritten Chemo hatte ich unglaubliche psychische Probleme. Die nackte Angst hatte mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Aber das hat sich flott gegeben und ist seitdem auch nicht mehr in der Form aufgetaucht. Nach den Chemos war ich immer 1,5 Wochen krank geschrieben und habe dann von Zuhause aus gearbeitet. Da hatte ich großes Glück auf viel Verständnis zu treffen und diese Möglichkeit wahrnehmen zu können. Der Krankenhausaufenthalt war leider alles andere als so geplant. Statt 2 Ops, waren es 4 oder 5 und insgesamt war ich sogar 5 Wochen dort. Ich hatte dort wirklich die schlimmste Zeit meines Lebens... Werde für kosmetische Dinge wohl im nächsten Jahr nochmal ins Krankenhaus müssen, aber das hat Zeit. Ich habe viel Kraft aufwenden müssen, dass ich mich so zurück gekämpft hab. Mein Körper hat großes geleistet dieses Jahr und soll sich erstmal erholen. 

Ich hoffe, das hat Euch ein wenig Einblick gegeben und vielleicht sogar Mut gemacht...Niemand sollte das durchmachen müssen. Falls Ihr aber auch betroffen seid, passt auf Euch auf und bewahrt Euch selbst!

Eure, Mimi